Immer mehr Werbungtreibende fragen sich, was Fans und Follower wirklich wert sind. Wäre es nicht Aufgabe der Mediaagenturen, die Wirkungsnachweise zu erbringen?
Christof Baron: Nicht nur die Mediaagenturen stehen in der Pflicht, die Plattformbetreiber ebenso. Aber es ist in der Tat richtig: Es wird viel geredet über Social Media, es werden fleißig Fans und Beiträge gezählt und Kosten pro Fan gerechnet, aber bei dem Thema der Wirksamkeit kratzt man noch sehr an der Oberfläche. Vor allem dann, wenn es über die einfache Ebene von Clicks, Posts oder Gewinnspielen hinausgeht. Fairerweise muss man hinzufügen, dass die sozialen Netzwerke eine Dimension in der Kommunikation zwischen Menschen eröffnen, die es so bis dato nicht gab. Bei Facebook & Co. handelt es sich um einen globalen Marktplatz menschlicher Beziehungen und Meinungen zu allen möglichen Themen, einschließlich kommerzieller respektive werblicher Aspekte, deren Analyse weitaus komplexer ist, als klassische Werbewirkungsanalysen.
Christof Baron, CEO für die DACH-Region und Zentraleuropa von Mindshare (Group M / WPP-Holding), im Interview
Horizont: Welche Optionen und Möglichkeiten bietet die Digitalisierung, um Ihr Geschäft zu expandieren und zu diversifizieren? Christof Baron: Ich denke, es ist klar, dass man an dem zur Zeit am stärksten wachsenden Kanal - respektive Kanälen - vorne dabei sein muss, um nicht von der Dynamik überrannt zu werden. Dynamik erleben wir dabei auf mehreren Ebenen: technologisch und bei dem Entstehen neuer Kanäle, in der Ausbildung neuer Konkurrenzverhältnisse und in der Entwicklung der Business-Modelle.
Christof Baron, CEO für die DACH-Region und Zentraleuropa von Mindshare (Group M / WPP-Holding)
Interview mit Horizont
Mindshare-Chef Christof Baron kritisiert mit deutlichen Worten den Preisdruck im Mediageschäft. "Die Pitcheritis" mache es für Mediaagenturen "immer schwieriger, einen Account wirklich inhaltlich und damit qualitativ weiterzuentwickeln", sagt der Deutschland-CEO der Frankfurter Mediaagentur im Interview mit W&V. Man bekomme "wenig Zeit, eine vernünftige und werthaltige Partnerschaft aufzubauen". Stattdessen müssten Agenturen "wie Hochleistungskühe Milch geben".
Mit welchen Budgetverschiebungen in Richtung digitale Medien und Content rechnen Sie in den kommenden fünf Jahren?
"Der Digital-Bereich hat das Potential, bis in 2015 einen Anteil von bis zu 25 Prozent der Werbeinvestitionen zu erhalten - einschließlich Search, Affiliate, Mobile und Investments in Content. Welcher Anteil dabei auf Content entfällt, lässt sich schwer beziffern, da die Grenzen zwischen Werbung, so wie wir sie heute verstehen und der Produktion und Verbreitung von echten Inhalten zunehmend verschwimmen werden." Christof Baron, CEO
(Auszug aus HORIZONT.NET, Befragung der führenden Mediaagenturen.)
Die Älteren gibt's kostenlos obendrauf, hiess es früher immer. "Aber gerade bei langfristigen Gebrauchsgütern und einer Reihe von Finanzprodukten liegt der Zielgruppenkern häufig zwischen 30 und 55 Jahren." Christof Baron, COO Mindshare
Die geplante Vermarktungskooperation von ARD und ZDF sorgt für Diskussion im Markt. Der unabhängige Mediamanager Jens Kollat findet sie gut, MindShare Geschäftsführer Christof Baron hat starke Vorbehalte.
"Die privaten TV-Vermarkter werden den Konkurrenzdruck erhöhen."
Christof Baron, COO MindShare
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