Lange wurde der Hype von Facebook & Co. beschworen – ohne, dass belastbare Fakten auf den Tisch kamen. Das hat sich geändert. Immer mehr Studien befassen sich mit dem Social Web. Besonders interessant: „Facebook & Interbrand's Top 50“ von A.T. Kearney sowie der „Trendreport Juli 2011“, die sich beide mit kommerzieller Kommunikation sowie den Wirkungsmechanismen in sozialen Netzwerken beschäftigten.
So kommt der Trendreport zu dem Ergebnis, dass der Anteil dialog-orientierter Auftritte signifikant zugelegt hat und sogenannte „Passive Brands“ fast gar nicht mehr zu finden seien. Und: Die dialogorientierten „Service Brands“ konnten die höchsten Interaktionsraten und den größten Anteil qualitativ höherwertiger Interaktionen, sogenannter Mid-und Heavy-Weight-Interaktionen, erzielen. Fazit: Dialog im Social Web ist wichtig und funktioniert.
Immer mehr Werbungtreibende fragen sich, was Fans und Follower wirklich wert sind. Wäre es nicht Aufgabe der Mediaagenturen, die Wirkungsnachweise zu erbringen?
Christof Baron: Nicht nur die Mediaagenturen stehen in der Pflicht, die Plattformbetreiber ebenso. Aber es ist in der Tat richtig: Es wird viel geredet über Social Media, es werden fleißig Fans und Beiträge gezählt und Kosten pro Fan gerechnet, aber bei dem Thema der Wirksamkeit kratzt man noch sehr an der Oberfläche. Vor allem dann, wenn es über die einfache Ebene von Clicks, Posts oder Gewinnspielen hinausgeht. Fairerweise muss man hinzufügen, dass die sozialen Netzwerke eine Dimension in der Kommunikation zwischen Menschen eröffnen, die es so bis dato nicht gab. Bei Facebook & Co. handelt es sich um einen globalen Marktplatz menschlicher Beziehungen und Meinungen zu allen möglichen Themen, einschließlich kommerzieller respektive werblicher Aspekte, deren Analyse weitaus komplexer ist, als klassische Werbewirkungsanalysen.
Christof Baron, CEO für die DACH-Region und Zentraleuropa von Mindshare (Group M / WPP-Holding), im Interview
Horizont: Welche Optionen und Möglichkeiten bietet die Digitalisierung, um Ihr Geschäft zu expandieren und zu diversifizieren? Christof Baron: Ich denke, es ist klar, dass man an dem zur Zeit am stärksten wachsenden Kanal - respektive Kanälen - vorne dabei sein muss, um nicht von der Dynamik überrannt zu werden. Dynamik erleben wir dabei auf mehreren Ebenen: technologisch und bei dem Entstehen neuer Kanäle, in der Ausbildung neuer Konkurrenzverhältnisse und in der Entwicklung der Business-Modelle.
Christof Baron, CEO für die DACH-Region und Zentraleuropa von Mindshare (Group M / WPP-Holding)
Interview mit Horizont
Mit welchen Budgetverschiebungen in Richtung digitale Medien und Content rechnen Sie in den kommenden fünf Jahren?
"Der Digital-Bereich hat das Potential, bis in 2015 einen Anteil von bis zu 25 Prozent der Werbeinvestitionen zu erhalten - einschließlich Search, Affiliate, Mobile und Investments in Content. Welcher Anteil dabei auf Content entfällt, lässt sich schwer beziffern, da die Grenzen zwischen Werbung, so wie wir sie heute verstehen und der Produktion und Verbreitung von echten Inhalten zunehmend verschwimmen werden." Christof Baron, CEO
(Auszug aus HORIZONT.NET, Befragung der führenden Mediaagenturen.)
Die Älteren gibt's kostenlos obendrauf, hiess es früher immer. "Aber gerade bei langfristigen Gebrauchsgütern und einer Reihe von Finanzprodukten liegt der Zielgruppenkern häufig zwischen 30 und 55 Jahren." Christof Baron, COO Mindshare
Die geplante Vermarktungskooperation von ARD und ZDF sorgt für Diskussion im Markt. Der unabhängige Mediamanager Jens Kollat findet sie gut, MindShare Geschäftsführer Christof Baron hat starke Vorbehalte.
"Die privaten TV-Vermarkter werden den Konkurrenzdruck erhöhen."
Christof Baron, COO MindShare
EINESTAGES ist das neue Portal von SPIEGEL ONLINE, auf dem jeder Nutzer selbst erlebte Geschichte(n) beschreiben und lesen kann. Mit EINESTAGES soll ein kollektives Gedächtnis unserer Zeitgeschichte entstehen. Die Redaktion behält sich jedoch vor, sämtliche Fotos und Textbeiträge zu prüfen, bevor sie veröffentlicht werden. Denn auch hier gilt: Qualität ist wichtiger als Geschwindigkeit.
„www“ stand früher schon einmal für World Wide Wait. Dieser Spott resultierte aus den langsamen Zugängen, die dann auch noch ab nachmittags 15 Uhr (da stehen die Amerikaner auf und gehen ins Internet) noch langsamer wurden.
In den Zeiten des Breitband-Zugangs haben wir den Spott vergessen.
In den Zeiten unendlichen Spams, IPTV, VoIP, Videos-Downloads etc. werden wir uns bald wieder daran erinnern. Oder noch schlimmer. Wenn das Internet kollabiert!
Dieses Szenario wird bereits innerhalb der nächsten 30 Monate prognostiziert. Dann droht dem Internet der Verkehrsinfarkt. „Das Problem liegt tief in der Technik begraben“, sagt Dominik Grollmann von Internet World Business. „Die Internet-Basistechnologie ist uralt und wurde nie für die Ansprüche konzipiert, denen sie heute gerecht werden muss.“
Es bedarf also einer grundlegenden Investition in eine neue Technologie 2.0. Bis dahin sollten also die hochfliegenden Erwartungen etwas reduziert werden.
Nach dem starken Wachstum zu Beginn des Jahres hat sich das Plus bei den Brutto-Werbeaufwendungen bei knapp unter 6% eingependelt. Die größten absoluten Zuwächse verzeichneten TV und das Internet, die zusammen fürmehr als zwei Drittel der Steigerung verantwortlich sind. Zugleich ist das Internet auch wie gewohnt das Medium mit dem höchsten relativen Zuwachs (zur Zeit + 66%). Erfreulich ist zudem weiterhin die Entwicklung bei Radio und Plakat. Bei den Verlagen jedoch sind die Gefühle gemischt. Die Zeitungen freuen sich über (leicht) gestiegene Brutto-Einnahmen, während die Zeitschriften immer noch leicht im Minus liegen.Die Produktgruppen mit den höchsten Spendings sind wie immer Handel, PKW, die Telekommunikation sowie die Finanzdienstleistungen. Dazu kommen auf den ersten Plätzen noch die Eigenwerbung der Medien, insbesondere der Tageszeitungen und Publikumszeitschriften.